„Gewitter-Oma“: Notruf-Mitschnitt ist echt, stammt aber nicht aus Neuss
Der virale Notruf der „Gewitter-Oma“ ist authentisch, wurde aber nicht in Neuss entgegengenommen. Laut WDR-Recherche soll die Frau um die Jahrtausendwende die Leitstelle in Bochum angerufen haben. Wie die Aufnahme ins Netz gelangte, kann die Bochumer Polizei nach eigenen Angaben nicht mehr nachvollziehen.

Der Notruf der sogenannten „Gewitter-Oma“ gehört zu den bekanntesten Internet-Memes in Deutschland. Der Mitschnitt wurde tausendfach geteilt. Zu hören ist eine ältere Frau aus Nordrhein-Westfalen, die nach einem Gewitter bei der Polizei anruft. Sie erzählt, ihre Tochter lebe in Düsseldorf, andere Angehörige wohnten in Neuss, und sie habe noch nichts von ihnen gehört. Der Beamte antwortet ihr laut und bestimmt mit den Worten „Da war nix!“.
Der WDR ist der Frage nachgegangen, wo und wann das Gespräch stattfand und wie es an die Öffentlichkeit gelangte. Dabei kam heraus, dass das Telefonat echt ist, der Ort aber nicht stimmt, mit dem es lange verbunden wurde.
Die Leitstelle in Neuss bestätigt, dass das Gespräch tatsächlich so geführt wurde. Der Anruf ging dort allerdings nie ein. Stattdessen soll die Frau um die Jahrtausendwende in der Leitstelle in Bochum angerufen haben. Der Notruf ist demnach kein Fake, die Zuordnung zu Neuss war jedoch falsch.
Heikel ist zudem, dass die Aufnahme überhaupt im Netz verbreitet wurde. Das Veröffentlichen eines Notrufs ist grundsätzlich verboten. Wie der Mitschnitt dennoch an die Öffentlichkeit kam, kann die Polizei Bochum nach eigenen Angaben nicht mehr nachvollziehen.
Zum Thema Notruf gelten einige grundlegende Hinweise. Die 112 ist in allen EU-Ländern die einheitliche Notrufnummer und lässt sich kostenlos wählen, auch ohne SIM-Karte oder Guthaben. In Deutschland erreicht man die Polizei unter der 110.
Leitstellen stellen in der Regel die fünf W-Fragen: Wo ist etwas passiert, was ist passiert, wie viele Menschen sind betroffen und welche Verletzungen liegen vor? Anrufende sollten auf Rückfragen warten und erst auflegen, wenn die Leitstelle das Gespräch beendet.
Notrufe werden in der Regel aufgezeichnet, damit sich Einsätze nachvollziehen und Missverständnisse klären lassen. Die Aufnahmen unterliegen dem Datenschutz und dürfen nicht einfach veröffentlicht werden. Wer die Notrufnummer ohne Grund wählt oder einen Notfall vortäuscht, kann bestraft werden. Das reicht von Geldstrafen bis zu Freiheitsstrafen in schweren Fällen.
Bei Anrufen vom Handy kann die Leitstelle den ungefähren Standort oft automatisch ermitteln. Zusätzlich gibt es in Deutschland die Notruf-App „nora“, die vor allem Menschen mit Hör- oder Sprachbehinderung das Absetzen eines Notrufs erleichtern soll.